Yolanda Rupp

Das Betreuen von Leuten begleitet mich schon seit Jahrzehnten. Ich absolvierte in Bern die Hotelhandelsschule und arbeitete im Anschluss in diversen Hotels am Empfang und konnte mich dort bereits um die Freuden und Leiden der Gäste und Mitarbeiter kümmern.

 

Nach verschiedenen Sprachaufenthalten war ich danach für drei Jahre als Reiseleiterin für KUONI Reisen unterwegs und erlebte Vieles rundum’s Thema Betreuung von Kunden und Agenten. Zurück in der Schweiz arbeitete ich am Hauptsitz in Zürich insbesondere in der Agentenbetreuung bzw. Franchising der SBB Reisebüros. Ich lernte zu diesem Zeitpunkt meinen Mann kennen und zog auf seinen Hof.

 

Während sieben Jahren arbeitete ich von da an in einem Pflegeheim im Teilzeitpensum und war für die internen Audits (SQS zertifiziert) zuständig und betreute die Lehrlinge in den Büroarbeiten. Mitunter beschäftigten wir Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung.

 

Während des Umbaus unseres Bauernhauses betreuten wir tagsüber einen 15-jährigen Jugendlichen mit einer Lernschwäche. Es folgte eine 5-jährige Zusammenarbeit mit dem Wallierhof (Landwirtschaftliche Bauernschule Solothurn). Diese lancierten ein Projekt „startpunkt.ch“, bei dem Schulabgänger ein Zwischenjahr absolvieren. Deren Ziel ist es, Ende des Jahres eine Lehrstelle zu haben. Diese Praktikanten arbeiten 60 % auf dem Hof und gehen 40 % zur Schule. Sehr spannend und lehrreich war diese Zeit mit den Jugendlichen.

 


Die LUB (Stiftung Landwirtschaft und Betreuung) trat zu uns mit der Anfrage ob wir uns vorstellen könnten einen Betreuungsplatz für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anzubieten; was wir dann auch in Angriff nahmen und während zwei Jahren arbeiten wir mit dieser Organisation zusammen. 

 

Es leben 2 Menschen bei uns in der Familie - beide haben sich sehr gut integriert, sei es auf dem Hof mit den Pensionären, Mitarbeitern und nicht zu vergessen bei den Nachbaren und sogar im Männerchor:-)

 

Ein Geschäftsführer einer Institution erwähnte einmal in einem Interview, die Bauernfamilien müssten lediglich das Herz auf dem rechten Fleck tragen, mit beiden Füssen auf dem Boden stehen und Nerven wie Drahtseile haben. Seit der Ausbildung der ABL weiss ich, dass diese Eigenschaften alleine für eine adäquate Betreuung nicht genügen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich das Glück und die Chance hatte, die ABL zu absolvieren. Diese Schule ist für mich eine enorme Bereicherung und hilft meinem Mann und mir gleichzeitig sehr, das Gelernte im Alltag umzusetzen.